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Sir Terry Pratchett – mit Wappen und Titel für die Fantasie

„Fantasie ist ein Fitnessrad für den Geist. Es mag dich nirgendwohin bringen, aber es baut die Muskeln auf, die es können. Ich kann mich natürlich täuschen.“ – Sir Terry Pratchett

Ich möchte ehrlich sein. Ich habe nicht viele Bücher von Terry Pratchett gelesen und dennoch ging sein Tod besonders als Buchhändlerin Terry Pratchett_ ©BenSutherlandnicht spurlos an mir vorbei. So viele Menschen, die um ihn trauern und sogar eine Petition ins Leben rufen, in der vom Tod gefordert wird, Pratchett wieder frei zu geben – Grandios! Und es entspricht seinem Wesen auf elegante Weise.

Der weißbärtige Mann mit schwarzem Hut sah ein bisschen so aus, als ob er gerade noch in  Hogwarts gelehrt habe. Nun ist er auf dem Sprung in ein neues spannendes Abenteuer, begleitet von witzigen, ironischen und treffenden Charakteren, bereit, eine unbekannte Welt zu erobern.

Nun sind diese schillernden Jahre voll humoristischer Fußnoten leider passé. Pratchett verließ diese eher ernste und zur Zeit erschreckende Welt mit 66 Jahren. Viel zu früh musste er vor seinem Alzheimerleiden die Waffen strecken. Hier konnten Witz und Charme leider nicht helfen.

Aber ich schreibe ja nicht über ihn, um ihn zu bedauern, sondern ihn und sein Werk ein bisschen mehr ins Rampenlicht zu rücken. Er ist erst zwei Wochen tot und nirgends liest man mehr darüber. Eigentlich eine Schande, zumal gerade die Buchmesse in Leipzig zu Ende ging und man diesen Rahmen hervorragend für eine stille Minute oder ähnliches hätte nutzen können. Einen Kollegen zu verabschieden, sollte in jedem Berufszweig normaler Umgang sein.

Aber nun zu Pratchett:

1961 veröffentlicht Pratchett im zarten Alter von 13 Jahren seine erste Geschichte in einer Schülerzeitung. Später wird sie auch im Science Fantasy Magazine herausgegeben. Ein guter und früher Einstieg in die Schriftstellerwelt. Der britische Autor, Journalist und Pressesprecher veröffentlichte ab 1987 zwei Romane jährlich. Ein wahnsinniges Tempo, wenn man Raffinesse, Einfallsreichtum und Komik seiner Werke betrachtet. Ein unerschöpfliches Füllhorn der Ideen.

Seine wohl bekannteste Serie sind die Scheibenwelt-Romane. Bis 2014 wurden in dieser Serie 40 Bände in 37 Sprachen herausgegeben und übersetzt. Weltweit wurden seine Bücher rund 60 Millionen mal verkauft. Bombastische Zahlen!!

Nicht nur in der Welt des Wortes beheimatet, widmete sich Pratchett der öffentlichen Aufklärung und Erforschung der uns wohl bekannten Krankheit Alzheimer und bekräftigte immer wieder, dass zu wenig Mittel für die Erforschung dieser Krankheit aufgewendet werden. Damit förderte er weiterhin den Dialog zum Thema Freitod und produzierte für und mit der BBC einen Dokumentarfilm über aktive Sterbehilfe. In diesem Film begleitet er zwei Menschen auf ihrem Weg in die Schweiz, um dort zu sterben.

Zu diesem zweiten wichtigen Bereich in seinem Leben kam er durch seine eigene Erkrankung. 2007 gab er bekannt, dass er eine sehr seltene und früh beginnende Form von Alzheimer habe.

2008 wurde er von der Queen zum Knight Bachelor ernannt und durfte sich von da an Sir nennen. Bereits 1998 wurde er von der Queen geehrt, indem sie ihn zum Officer des Order of the British Empire ausrief. Beide Ovationen erhielt er aufgrund seiner Errungenschaften und Leistungen für die britische Literatur. Voll zu Recht, wie ich finde. Man sollte immer einen oder mehrere Ritter für die Literatur im petto haben.

 

Viele bezeichnende Wörter und Umschreibungen geistern im Netz und durch die Feuilletons, die erfolgreich den schöpferischen Geist und das humoristische Wesen Terry Pratchetts einfangen.

Mich haben aber nicht unbedingt die schriftstellerischen Adverbien und Adjektive beeindruckt, sondern eher die Person. Der Ritter mit weißem Rauschebart, hochgebürsteten Augenbrauen und der runden Brille. Ein Ritter, wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpfen musste. Gut, bei ihm waren es keine echten Windmühlen, aber Alzheimer und die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber dieser Krankheit können einem schon mal den Atem nehmen.

 

Wir werden dich vermissen, Ritter ohne Furcht und Tadel, dafür aber mit Wappen und Titel!

Und wer jetzt Blut geleckt hat und sich von meinen Umschreibungen zu einer näheren Betrachtung des Schriftstellers hinreißen lassen möchte, hier ein paar Links zur Befriedigung:

 

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/terry-pratchett-ist-tot-das-universum-ist-ein-grosser-witz-a-1023241.html

 

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zum-tod-von-terry-pratchett-autor-der-scheibenwelt-romane-gestorben-13480051.html

 

http://www.thediscworld.de/index.php/Hauptseite

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Scheibenwelt-Romane

 

http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/7291315.stm

 

http://www.pratchett-buecher.de/presse.html

 

http://www.transworldbooks.co.uk/authors/terry-pratchett?dcp=635618386181805170

 

 

 

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